Kommunikation als symphonisches Konzert
Kommunikation als symphonisches Konzert
2017-11-03 13:34

Kommunikation als symphonisches Konzert

Gute Kommunikationsarbeit hat viel von einem symphonischen Konzert. Für eine erfolgreiche Aufführung braucht es gelungene Kompositionen, ein eingespieltes Ensemble und einen erfahrenen Dirigenten.

Ein guter Texter geht wie ein Komponist vor. Er arbeitet mit Vorausdeutungen, Wiederaufnahmen und Rückverweisen, verbindet die einzelne Abschnitte wie die Sätze einer Symphonie miteinander und behält bei allem das Gesamtwerk im Auge. Er achtet darauf, dass sich Stil, Rhythmus, Wortwahl und Tonalität auch in getrennten Beiträgen einheitlich wiederfinden und zueinander passen. Seine Kernbotschaften spannen als textliche Leitmotive den Bogen und werden vielfältig variiert, um sich wie eine eingängige Melodie festzusetzen.

Die Fachbereiche im Unternehmen sind wie die Instrumentengruppen eines Orchesters. Sie kennen sich in ihrem Bereich am besten aus. Inhaltlich sind die Fachbereiche deshalb für die Kommunikation die wichtigste Quelle bei der Zulieferung von und Auskünften zu fachbezogenen Themen. Der Texter ist auf ihre Anregungen, Anmerkungen und kritischen Hinweise angewiesen. Für die Stimmigkeit eines Textes ist es gleichwohl erforderlich, dass der Texter kompositorisch die Verantwortung behält. Fachliche Änderungswünsche sollten deshalb immer eng mit ihm abgestimmt werden. So ist sichergestellt, dass sich erforderliche Anpassungen gut in den Entwurf einfügen oder daraus ein harmonischer neuer Entwurf entsteht.

Niemand würde auf die Idee kommen, einem Komponisten in sein Werk hineinzukomponieren, weder durch Streichen, Verändern oder Einfügen ganzer Passagen noch durch Hineinwerfen einer eigenen Komposition. Das Ergebnis wären hörbare Brüche, fehlende Überleitungen, befremdliche Einwürfe. In der Musik leuchtet es jedem ein, dass der Eingriff in die Komposition eines erfahrenen Komponisten nur zu Missklängen führen kann. Das ist bei der Kommunikationsarbeit nicht anders. Gute Kommunikation ist kein Free Jazz, bei dem Beteiligte in Alleingängen agieren und improvisieren können, wann und wie sie es für richtig halten.

Um den harmonischen Zusammenklang von Fachbereichen und Öffentlichkeitsarbeit zu gewährleisten, braucht es auch in der Kommunikation eines Dirigenten, der letztlich entscheidet, wann, was, wie, von wem gespielt wird. Das kann der Leiter der Unternehmenskommunikation sein oder der externe Kommunikationsberater. Er verfügt über die Expertise und Position zur Entscheidung sowohl auf der Textebene als auch auf der strategischen Ebene.

Auf der Textebene kann der Leiter (Dirigent) die Entwürfe seines Texters (Komponisten) genau würdigen und versteht die Absichten und Zusammenhänge. Nehmen wir die Symphonien von Anton Bruckner zur Veranschaulichung. Während der Dirigent Günter Wand mit großer Genauigkeit Bruckners Notentexte studierte und großen Wert auf klare Kontraste und eine saubere Akzentuierung legte, gibt es andere Bruckner-Dirigenten, die über nachdenkliche Passagen, zum Beispiel die gezupft hineintröpfelnden Harfenklänge in der 8. Symphonie, gnadenlos hinwegfegen oder ihnen durch zu viel Nachdruck, zu viel Showeffekt, die Wirkung nehmen, die gerade in ihrer zarten Verlorenheit liegt. Bruckner kann man nicht mehr befragen; man muss seine Noten und Anweisungen eingehend analysieren. In der Kommunikation ist der Leiter im Vorteil. Er kann sich mit seinem Texter beraten und sollte es tun.

Auf der strategischen Ebene entwirft der Leiter federführend die kommunikative Gesamtausrichtung, stimmt diese mit dem Vorstand ab und wacht über die Einhaltung. Wenn wir beim Vergleich mit der Klassik bleiben, ist der Vorstand hier mit dem Intendanten eines Konzerthauses vergleichbar. Dieser hat bestimmte Erwartungen an den Dirigenten, die Kompositionen und das Orchester. Damit die strategische Ausrichtung klappt, ist der direkte Zugang zum Vorstand eine Grundvoraussetzung, insbesondere zur kurzfristigen und unmittelbaren Abstimmung, Beratung und Entscheidung. Mit zunehmender Annäherung wird der Abstimmungsbedarf sinken. Das setzt das Vertrauen in die Fähigkeiten, Erfahrungen und Intuition des Kommunikationsexperten voraus und die Bereitschaft, diesem zu folgen.

Diese Bereitschaft ist auch beim Orchester Voraussetzung. Die Mitglieder eines Orchesters wissen ohne Frage, wie sie ihr Instrument zu spielen haben. Für einen ansprechenden Gesamtklang ist es mit guten Solisten nicht getan. Das Zusammenspiel der Einzelinstrumente und der Instrumentengruppen muss stimmen. Bezogen auf die Kommunikationsarbeit verhält es sich ähnlich. Die Fachbereiche kennen ihre Produkte, Prozesse und Projekte. Wie diese für eine ansprechende Außendarstellung aufbereitet werden müssen, wissen die Experten der Unternehmenskommunikation. Das schließt ein gemeinsames Ringen im dialogischen Miteinander nicht aus. Die aktive Beteiligung der Fachbereiche ist im Gegenteil zwingend erforderlich.

Eine gute Abstimmung untereinander ist am Ende der Schlüssel für eine resonanzhaltige Kommunikationsarbeit.

Dr. Christoph Prang

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