Selbstbestimmt durch eine digitale Welt
Selbstbestimmt durch eine digitale Welt
2017-06-19 15:55

Selbstbestimmt durch eine digitale Welt

Blinkende E-Mail-Postfächer, piepende Chatboxen, klingelnde Smartphones. Und wir sind mittendrin. Willkommen in der digitalen Welt, in der wir ohne permanenten In- und Output zu verhungern glauben – und uns gleichzeitig immer häufiger nach analoger Freiheit sehnen. Achtsamkeit und Entschleunigung sind die viel gepriesenen Zauberbegriffe. Sie mahnen zum Durchatmen und Innehalten, damit das Wesentliche wieder sichtbar wird und wir uns selbst wieder ein Stück näherkommen.

Das Paradoxe daran: Der Weg dorthin scheint vor allem über Online-Pfade zu führen. Wohin man auch blickt: In sozialen Netzwerken oder Online-Medien reihen sich Ratschläge aneinander, die zur digitalen Diät und Entspannung aufrufen. Kurz vorm Einschlafen, geblendet vom Licht des Smartphones, suchen wir im Netz nach Fluchtmöglichkeiten aus dem Kommunikations- und Datendschungel, führen aber so unser Bemühen selbst ad absurdum.
Doch warum wollen wir überhaupt ständig und überall erreichbar sein? Müssen wir immer die Ersten sein, nur weil wir es sein könnten? Tief im Inneren – vielleicht noch erlernt in einer analogen Welt – kennen wir die Antworten, die nicht nur im Privaten, sondern vor allem auch im Job greifen. Zahlreiche Kommunikationskanäle verführen zu Aktionismus, eine schnelle Reaktion ist jedoch nicht immer die klügste. Langes Schweigen wiederum schafft Raum für Spekulationen. Hier die Balance zwischen Geschwindigkeit und Innehalten zu finden, ist nicht leicht, aber lohnenswert.

Vor dem Senden die E-Mail noch einmal genau lesen – wie den guten alten Brief. Den Online-Beitrag auf „Herz und Nieren“ prüfen, so, als würde er in Druck gehen. Und in Krisensituationen sich besonnen an die Öffentlichkeit wenden. Kurzum: Qualität sollte auch im digitalen Zeitalter Pflicht und keine Kür sein. Die Zeit dafür bleibt. Wir müssen die Fäden im Kommunikationsnetz (wieder) selbst ziehen. Dafür braucht es einen kühlen Kopf – und öfter auch eine kurze Sendepause.

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