Nie wieder Stuttgarter Weindorf in Hamburg
2016-02-24 19:43

Nie wieder Stuttgarter Weindorf in Hamburg

Dreißig Jahre (seit 1986) war das Stuttgarter Weindorf auf dem Hamburger Rathausmarkt zu Gast und begeisterte jeden Sommer hunderttausende Besucher. Jetzt ist der Veranstalter Pro Stuttgart e.V. gezwungen, die Traditionsveranstaltung in Hamburg abzusagen. Grund ist eine unfassbare Kostensteigerung bei der vom Bezirksamt Hamburg-Mitte veranschlagten Platzmiete: Um rund 170 Prozent will die Behörde die Gebühren innerhalb eines Jahres erhöhen und kündigt damit die städtepartnerschaftliche Beziehung zu Stuttgart.

Werner Koch, Vorsitzender des Vorstands von Pro Stuttgart e.V.: „Eine derartige Kostenexplosion lässt sich nicht mehr auffangen. Wir haben der Stadt und der Bürgerschaft Hamburg am 23. Februar die Veranstaltung absagen müssen und auch die Stadt Stuttgart informiert. Bereits in der Vergangenheit war es wegen des hohen organisatorischen und finanziellen Aufwands und des nicht kalkulierbaren Erfolgsrisikos für die sehr motivierten Wirte schwer, dieses Hamburg-Abenteuer zu wagen. Die unglaubliche Kostensteigerung und das Verhalten des Bezirksamts Hamburg-Mitte sind ein Schlag ins Gesicht und geradezu unmoralisch. Nicht nur für uns als Veranstalter, sondern vor allem für die Wirtinnen und Wirte, die mit größtem Einsatz das Weindorf in Hamburg über dreißig Jahre aufgebaut und betrieben haben und auch wegen der teilweise problematischen Wetterverhältnisse oftmals ohne Gewinne blieben.“

Gastronomische Städtepartnerschaft per Brief aufgekündigt

Seit dreißig Jahren hat das Stuttgarter Weindorf zu Gast in Hamburg einen festen Platz im Terminkalender der Hansestadt. Im Gegenzug findet der Hamburger Fischmarkt alljährlich in Stuttgart statt. Beide Städte, Hamburg und Stuttgart, vereinbarten 1988 eine kostenfreie Nutzung der Veranstaltungsfläche, als der Fischmarkt erstmals nach Stuttgart kam. Da das „Stuttgarter Weindorf zu Gast in Hamburg“ sechs bzw. sieben Tage länger als der Fischmarkt in Stuttgart dauerte, zahlte der Veranstalter Pro Stuttgart e. V. für den überschreitenden Zeitraum Sondernutzungsgebühren. Die Gebühren stiegen in den vergangenen Jahren um das Siebenfache. Hinzu kam, dass in den ersten Jahren eine doppelt so große Fläche belegt werden durfte. Die Kosten konnten auf 30 Wirte umgelegt werden. 2015 passten nur noch elf Betriebe auf die verkleinerte Fläche. Sie mussten alle entstehenden Kosten und auch die Platzmiete erwirtschaften.

Ende 2015 kündigte die Stadt Hamburg, vertreten durch den damaligen Leiter des Bezirksamt Mitte, Andy Grote, diese seit 1988 bestehende Vereinbarung mit der Stadt Stuttgart (keine Berechnung der Platzmiete für elf Tage in der jeweiligen Stadt) im Alleingang auf. Statt bisher rund 46.000 Euro Gebühren (2015) verlangt die Stadt Hamburg in diesem Jahr ca. 125.000 Euro Platzmiete – eine Steigerung um rund 170 Prozent, also nahezu dem dreifachen Betrag.

„Es war uns schon seit seiner Ernennung zum Bezirksamtsleiter nicht möglich, mit Andy Grote ins Gespräch zu kommen“, so Koch. „Die Entscheidung der Stadt Hamburg wurde uns per Brief mitgeteilt. Nach unserer fassungslosen und empörten Reaktion bekamen wir im Januar endlich für den 16.Februar 2016 einen Terminvorschlag. Am 27.Januar wurde dieser wieder abgesagt. Die Begründung: Andy Grote habe nun eine neue Funktion als Innensenator und werde an dem Gespräch nicht teilnehmen. Einen neuen Termin mit einem kompromissbereiten Gesprächspartner haben wir auf mehrfache Nachfrage bis heute nicht erhalten. Dieses Verhalten zeigt, dass das Bezirksamt Hamburg-Mitte und auch Andy Grote als ehemaliger Bezirksamtsleiter das Stuttgarter Weindorf zu Gast in Hamburg in keiner Weise wertgeschätzt haben. Und damit auch nicht den Fakt, dass das Weindorf werblichen Nutzen und verschiedenste Einnahmen (Übernachtungen, Einkäufe, Gebühren etc.) für die Stadt Hamburg ermöglichte und gleichzeitig seit 28 Jahren zum Nulltarif Werbung für Hamburg macht. Eine dreißig Jahre gelebte Städtepartnerschaft beenden wir somit mit einem Kopfschütteln. Wir hätten uns eine stilvollere Verabschiedung nicht nur gewünscht, sondern von den vielgerühmten Hamburger Kaufleuten geradezu erwartet.“

Eine erfolgreiche Zusammenarbeit endet abrupt

Im vergangenen Jahr war noch das „30. Stuttgarter Weindorf zu Gast in Hamburg“ im Beisein von Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz, der Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit und Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn gefeiert worden. Alle Redner lobten die langjährige, vertrauensvolle, freundschaftliche und kooperative Zusammenarbeit. Gleichzeitig wurde die Einzigartigkeit dieser gastronomischen Nord-Süd-Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Stuttgart hervorgehoben. Die gemeinsame Vergangenheit hatte viele Höhepunkte: So schenkten die Weindorf-Wirte der Hamburgischen Bürgerschaft als Dank für die hanseatische Gastfreundschaft zu jedem Jubiläum immer wieder Weinstöcke. Mittlerweile wachsen 100 Rebstöcke am Stintfang oberhalb der St. Pauli Landungsbrücken. Weitere Weinstöcke werden nun sicherlich nicht mehr hinzukommen. Zu erwarten ist, dass das Stuttgarter Weindorf zu Gast in Hamburg tatsächlich nie mehr in Hamburg stattfindet.

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